Therapie
Physiotherapeutische Konzepte
Bewährte Konzepte der physiotherapeutischen Behandlung
Es gibt verschiedene physiotherapeutische Techniken, um Beschwerden infolge einer Spastik zu mindern. Häufig angewendet wird die Krankengymnastik nach Bobath. Daneben sind auch aktive und passive Muskeldehnungen sinnvoll. Verfahren nach Vojta oder PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) können ebenfalls bei entsprechenden Beschwerden hilfreich sein.
Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Physiotherapie-Konzepte für die unterschiedlichen Spastikausprägungen.
Bobath
Dieses Konzept basiert auf einem Therapie- und Rehabilitationsansatz von Dr. Karel Bobath und Berta Bobath. Es wurde für Patienten mit Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) entwickelt und geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der den Menschen in seiner Persönlichkeit einbezieht. Bei der Therapie sollen gestörte Bewegungsmuster gehemmt und mit Hilfe eines Physiotherapeuten verbesserte Körperhaltungen eingeübt werden. Die Übertragung des Gleichgewichts von einer auf die andere Körperseite steht dabei im Vordergrund. So kann die bei der Spastik erhöhte Muskelspannung gelockert und Muskeln können trainiert werden.
Ziele der Anwendung:
- Wiedererlernen verlorener Bewegungsfähigkeiten
- Wiederherstellung einer adäquaten Muskelspannung (Tonusregulation)
- Abbau von Überaktivitäten der weniger betroffenen Seite
- Normalisierung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umwelt
- Erhöhung von Selbständigkeit und Sicherheit im alltäglichen Leben
Vojta
Diese Therapieform entwickelte der Kinderneurologe Professor Dr. Václav Vojta Anfang der 50er Jahre. Er stellte fest, dass durch gezielte Reize reflektorische Muskelaktivitäten erzeugt werden, wie sie in der normalen motorischen Entwicklung automatisch auftreten. Dabei bringt der Therapeut den Patienten in eine vorgegebene Lage und regt die jeweiligen Zonen an. Durch diese Reize wird der gesamte Körper zu unterschiedlichen, klar definierten Haltungs- und Bewegungsmustern animiert.
Ziele der Anwendung:
- Aktivierung normaler Bewegungsmuster (neurophysiologische Programmierung, Grundlage dafür bilden die angeborenen Bewegungsmuster)
- Verhinderung ständig wiederkehrender "falscher" Bewegungsstereotypien
- Verbesserung der Körperhaltung, der Stützfunktion, der Extremitäten und der Muskelaktivitäten
PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
Die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, kurz PNF, entwickelten um 1950 die amerikanischen Physiotherapeutinnen Margaret Knott, Dorothy Voss und der Neurologe Dr. Herman Kabat. Reize wie z. B. Dehnung, Zug oder Stauchung von Muskeln oder Gelenken sollen die Weiterleitung von Nervenimpulsen fördern. Hierzu werden verschiedene Bewegungsmuster, die im Alltag benötigt werden, in unterschiedlichen Ausgangsstellungen geübt. Dadurch soll die Normalisierung des Muskeltonus sowie eine Kräftigung und Dehnung der Muskulatur erreicht werden. Die Therapeuten geben gezielte Hilfestellungen, um Alltagsaktivitäten wie z. B. Gehen (wieder) zu erlernen.
Ziele der Anwendung:
- Normalisierung der Muskelspannung
- Einüben alltagsgerechter Bewegungsabläufe
- Abbau falscher Bewegungsmuster
- Kräftigung und Dehnung der Muskulatur
- Förderung der Mobilität
- Förderung der Geschicklichkeit
Darüber hinaus gibt es noch andere Therapieansätze, wie zum Beispiel das Vibrationstraining, Kälte- und Wärmetherapie oder auch die Anwendung von Schienen und/oder Gips bei schwerer Spastik.
Anwendung unterschiedlicher Therapien
Jeder Spastik-Patient ist individuell zu behandeln. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ursachen und Ausprägungen der Symptome werden spezielle Trainingsprogramme benötigt. Physiotherapeuten können sich auf verschiedenen Gebieten spezialisieren, wie z. B. im neurologischen Bereich auf die o. g. Therapiekonzepte. Bei der Auswahl einer Physiotherapie-Praxis sollte der Patient darauf achten, dass dort neben den neurologischen Therapiekonzepten (Bobath, PNF, Vojta) auch noch weitere Methoden angeboten werden.
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Dazu gehören Trainingstherapie, Manuelle Therapie, Lymphdrainage und Schienenanpassung. So ist eine individuelle Behandlung für die unterschiedlichen Ausprägungen der Spastik gewährleistet. Am Ende ist es für den Patienten wichtig, einen Behandlungsansatz zu wählen, der seinen Bedürfnissen und seinem Wohlbefinden am nächsten kommt. Dafür sollte jeder Patient versuchen, eine spezifische Beratung zu erhalten und gemeinsam mit Arzt und Therapeut ein auf ihn zugeschnittenes Übungsprogramm zusammenzustellen.
Ziel jeder Behandlung ist es, eine Verbesserung der individuellen Symptome zu erreichen und diese regelmäßig mit den in der Praxis zur Verfügung stehenden Funktionstests zu beobachten.
Was kann ich als Patient selber tun?
Idealerweise erlernt der Patient in der Behandlung auch Übungen, die er alleine zu Hause trainieren kann. Hierfür kann der Therapeut ein individuelles Programm zusammenstellen. Die regelmäßige Durchführung hat einen positiven Einfluss auf die Spastik.
An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass jeder Patient nur im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten und in Abhängigkeit der spastischen Symptome die Übungen alleine zu Hause ausführen kann.
Unter "Aktiver im Leben" finden Sie eine Übersicht der Basis-Übungen, die Sie auch als Poster bestellen können.